Erkältungskrankheiten
Diese Infektionskrankheit (bei Reptilien meist durch Bakterien hervorgerufen, seltener durch Viren, Pilze oder Würmer) ist eine der häufigsten bei Schlangen und führt unbehandelt schnell zum Tode. Ursache ist meist eine zu kühle und dabei zu feuchte Haltung. Manchmal erkranken die Schlangen allerdings auch bei bester Haltung an einer derartigen Infektion, so dass die Schuld nicht immer beim Halter liegt.
Im Anfangsstadium erkennt man eine Erkältung durch häufiges Niesen und "knackende" Atemgeräusche. In späteren Stadien, wenn sich daraus eine Lungenentzündung entwickelt, bekommt das Tier Schwierigkeiten beim Atmen, das Maul ist verschleimt und der Kopf wird aus Atemnot hoch gestreckt. Die Tiere trinken meist viel, vermutlich um den zähen Schleim zu verflüssigen, der die Lunge verklebt.
Man kann meist nicht vermeiden, den Tieren bei Infektionskrankheiten Antibiotika zu verabreichen. Wichtig ist dabei, dass man bei einem Tierarzt einen Rachenabstrich des Tieres untersuchen lässt, um die Art des Erregers festzustellen und gleichzeitig ein Antibiotikum zu bestimmen, gegen das der isolierte Erreger empfindlich ist (Resistenztest).
Die Erkältungsmittel, die man im Zoohandel bekommt, sind in der Regel Zeit- und Geldverschwendung. Auch "Hausmittel" wie Eukalyptustropfen sind nicht empfehlenswert. Bislang wurde noch kein heilender Effekt bei Reptilien nachgewiesen. Die scharfen Dämpfe können möglicherweise auch noch mehr Schaden anrichten.
Ist eine Schlange im Bestand erkältet, sollte man das Tier isolieren, warm und trocken halten (28-30 °C) und die Temperaturen nachts nicht mehr stark absenken. Man verabreicht zunächst ein Breitband-Antibiotikum (z. B. Terramycin , ca. 5 mg/100 g Körpergewicht) täglich mit dem Futter, wenn die Schlange schon nicht mehr frisst, über eine Schlundsonde oder lässt es von einem Tierarzt intramuskulär spritzen (nur bei größeren Tieren möglich). Gleichzeitig lässt man den oben genannten Resistenztest durchführen (das dauert meist mehrere Tage), denn falls das erste Antibiotikum nicht nach 3-4 Tagen anschlägt, kann man nach Bestimmung des krankheitsauslösenden Keimes das passende Antibiotikum einsetzen.
Für Schlangen geeignete Antibiotika sind:
Oxytetracyclin (5 mg/100 g Körpergewicht) - (Präparat z.B. Terramycin)
Chloromycetin (3-4 mg/100 g Körpergewicht) - (Präparat z.B. Chloropalmitat)
Streptomycin (5 mg/100 g Körpergewicht)
Penicillin (5 mg/100 g Körpergewicht)
Baytril (5 mg/ kg Körpergewicht)
Es ist wichtig, dass das Antibiotikum jeden Tag in der korrekten Dosierung verabreicht wird. Zu wenig Antibiotika töten die Erreger nicht ab, eine zu hohe Dosis kann zu Organschäden führen, meist sind die Nieren betroffen, was zur Dehydrierung und im Extremfall auch zum Tod führen kann.
Um die korrekte Dosis eines Antibiotikums zu bestimmen, muss das Tier gewogen werden. Aus dem Gewicht errechnet man dann die individuelle Dosis.
Das Antibiotikum sollte mindestens vier und maximal 7 Tage verabreicht werden. Da der Stoffwechsel bei Reptilien langsamer verläuft, als bei Warmblütern, dauert es erfahrungsgemäß auch länger, bis das Medikament anschlägt (meistens ca. 3-4 Tage). Wenn eine Erkältung aber frühzeitig erkannt wird, hat die Schlange gute Chancen, diese zu überleben.