Kloaken-/Hemipenisvorfall

Kloaken-/ bzw. Darmvorfälle sind als medizinischer Notfall zu betrachten und sollten umgehend behandelt werden. Dieses Problem kann z.B. aufgrund von Bewegungsmangel, Stress, Verdauungsstörungen, Muskelschwäche, Nervenlähmungen oder nicht artgerechter Ernährung auftreten (zu häufige Fütterungen, zu große, oder ungewohnte Beutetiere). Dabei werden meist beim Abkoten teile des Darmes mit aus der Kloake gepresst und können nicht mehr zurückgezogen werden. Das Gewebe schwillt dann meist schnell an und sieht dann aus wie eine Blase.

Grüne Baumpythons leiden recht häufig unter diesem Problem, meist hervorgerufen durch Sondierungsschäden (siehe Artikel "Darmvorfall"). Die Wirbelsäule der Jungtiere ist extrem fragil und bricht schnell bei unvorsichtiger Handhabung. Als Folge davon können später Teile der Muskulatur im Kloakenbereich gelähmt bleiben. Da die Tiere beim Abkoten als natürliches Verhalten Teile ihres Enddarms ausstülpen und wieder einziehen kann man sich leicht ausrechnen, was eine Muskellähmung in diesem Bereich anrichtet.

Wenn man ein Tier mit Darmvorfall vorfindet, gilt es umgehend Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dazu gehört zunächst eine Säuberung des Gewebes, am besten mit einer verdünnten Ringer-Lösung (das ist eine verdünnten Salzlösung, erhältlich beim Tierarzt). Viele Terrarianer beträufeln das vorgefallene Darmstück vorher mit einer hyperosmotisch wirkenden Zuckerlösung, um dem Gewebe Wasser zu entziehen und die Schwellung zu verringern. Anschließend badet man das Tier einige Zeit in warmen Wasser. Wenn die Schwellung zurückgegangen ist, kann man versuchen, das Gewebe vorsichtig mit einem angefeuchteten Q-Tipp zurückzumassieren. Manchmal wird das vorgefallene Darmstück auch während des Bades von alleine eingezogen. Dabei wird man nur Erfolg haben, falls das Gewebe nicht tiefrot/lila verfärbt oder verkrustet ist.

Wenn man dabei keinen Erfolg hat, oder Teile des Darmgewebes bereits stark entzündet oder abgestorben sind, sollte man das Tier unbedingt zum Tierarzt bringen, möglicherweise muss operiert werden. Dabei wird meist auch die Kloakenöffnung durch eine so genannte "Tabaksbeutelnaht" verengt, um weiteren Vorfällen vorzubeugen. In den nächsten Wochen/Monaten sollten anschließend nur kleine, leicht verdauliche Futtertiere (nackte Mäuse/Ratten) gereicht werden.

Bei männlichen Schlangen kann es zu einem Vorfall des Hemipenis kommen, wenn sich das Tier versucht zu paaren und das Weibchen entweder nicht bereit ist, oder während des Paarungsaktes flieht. Dadurch kann das Gewebe verdreht, gedehnt oder anderweitig beschädigt werden, so dass der Hemipenis nicht mehr eingezogen werden kann. Auch hier gilt: Wenn sich die Situation nicht innerhalb weniger Tage von alleine oder durch vorsichtiges zurückmassieren bessert, muss das Organ vom Tierarzt begutachtet und gegebenenfalls entfernt werden. Eine Nachbehandlung mit Antibiotika ist sinnvoll.